Veröffentlicht am Mo., 6. Jan. 2020 00:00 Uhr

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“
 (Markusevangelium, Kapitel 9, Vers 24)

Gedanken von Superintendent Martin Kirchner

Zweifel und Zweifler haben in der Heiligen Schrift eine lange Tradition. Da, wo Unglaubliches geschehen soll oder auch nur angekündigt wird, mischt er sich schnell ein, der Zweifel, moralisch überbetont, der „Unglaube“.

Sofort fällt uns der „ungläubige Thomas“ ein, der vom Ostergeschehen hört, dem aber nicht so recht geheuer ist bei dem Gedanken, dass der Herr von den Toten auferstanden ist, wo doch alle Welt bereits wusste, dass er am Kreuz sein Leben ausgehaucht hatte.

Das wandernde Gottesvolk in der Wüste, auf dem Weg in die Freiheit, hatte nicht nur einmal ordentliche Zweifel daran, ob es gut war, sich aufzumachen aus Ägypten. Es sehnte sich „nach den Fleischtöpfen“ zurück, die es in der Sklaverei vielleicht erträumt, aber wohl nie gekostet hatte.

 Erträumt, erhofft und doch nicht für möglich gehalten. Glauben, leichter gesagt als getan. Die Eltern des "besessenen" Knaben, von denen das Evangelium erzählt, haben ein Leben lang Erfahrungen gesammelt mit ihrem an Epilepsie erkrankten Sohn. Was werden sie nicht alles versucht haben, um ihm zu helfen, wenigstens Linderung zu erreichen. Aber selbst die Jünger Jesu, auf die sie ihre letzte Hoffnung gesetzt hatten, vermochten keine Heilung zu bewirken.

 Menschen stoßen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Hoffen, auch das will kaum mehr gelingen. Die Hände sind leer, die Kräfte am Ende.

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“ klagt der Psalmbeter in seiner Verzweiflung im 121. Psalm.  Und dann dieses trotzig wirkende Bekenntnis: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Und eben der Schrei nach Erbarmen der Eltern in der Jahreslosung.

 Ach wäre das schön, wenn mehr Seelen in Not solche Hilfe zuteil würde, wenn Kranke gesund würden, Getriebene zur Ruhe kämen, Opfer von Hass und Gewalt Geborgenheit erführen. Ich kann's kaum glauben, dass es möglich sein soll. „... Herr, hilf meinem Unglauben!“ und mach mich zum Boten Deines lebendigen Wortes, voll Trost, Barmherzigkeit und Mitleid.

Gottes Wort wird gelingen, wozu es gesandt ist (Jesaja 55), auch und gerade wenn wir es nicht mehr für möglich halten.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2020 voller Zuversicht und Glaubenshoffnung!

 Ihr Martin Kirchner, Superintendent

Kategorien Jahreslosung 2019