Veröffentlicht von Bodo Hinz am Fr., 19. Mär. 2021 13:29 Uhr

Liebe Leserinnen und Leser,

fast in der Mitte der Heiligen Schrift nach unserer deutschen Ausgabe findet sich ein Satz, ein vom Propheten Jeremia zitiertes Gotteswort, das von Zukunft und Hoffnung spricht. Dieses Wort lautet: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: es sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29, 11).

„Gedanken Gottes“ sind mehr als unseren flüchtigen Ideen, die uns eine Zeit beschäftigen und im nächsten Augenblick schon wieder vergessen sein können. „Gedanken Gottes“, auch sein Wort, sind nach dem Zeugnis des Propheten Jesaja wirkmächtig, einmal ausgesprochen oder gedacht von Gott, werden sie nicht wieder leer zu ihm zurückkehren, sondern werden tun, wozu er sie gesandt hat und – Jesaja fügt das im 55. Kapitel seiner Prophetie ausdrücklich hinzu – es wird ihm gelingen.

Gedanken des Friedens also und nicht des Leides, dass Gott uns gebe Zukunft und Hoffnung.

Solch ein „göttlicher Gedanke“ tut uns dann besonders gut, wenn nach menschlichem Ermessen eine Situation völlig aus dem Ruder zu laufen scheint, wenn wir mit unserem Tun und Handeln auf einen Abgrund zu rasen und uns eigentlich schon längst über die Abbruchkante hinaus wähnen. Solcher Gedanke ist Balsam für die Seele, wenn uns gerade nichts mehr bleibt als verzagt und untröstlich zu sein: „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: es sind Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jeremia 29, 11).

In der Passionszeit haben wir uns einige alte Geschichten und Berichte aus der Bibel erzählt, von Verzagtheit einerseits und von Gedanken des Friedens andrerseits, sogar von Zukunft und Hoffnung, von österlichem Ausblick im so verletzlichen Leben.

Da ist z.B. die Geschichte vom Propheten Elia, der wie kein zweiter für Gottes Sache eingetreten ist und dann plötzlich, nach einem seiner öffentlichen Auftritte am Berg Karmel völlig am Ende seiner Kraft war, erschöpft, verausgabt, dem Hass und der Verfolgung durch andere ausgesetzt. Eine von ihm nicht zu beherrschende Müdigkeit befiel ihn und er legte sich in der Wüste seines Lebens unter einen Ginsterstrauch, um einzuschlafen und wohl nie wieder zu erwachen.

In dieser Krise wenden sich ihm Gottes Gedanken zu. Tradiert ist das in dem Bericht aus 1.Könige 19 in einer der schönsten „Engelgeschichten“, die es zu erzählen gibt: Gleich zweimal wir Elia vom Engel Gottes, von seinem Gesandten, seinem Boten, aufgesucht und geweckt. „Steh auf und iss!“ lautet die Ansprache und er stellt dem Schlafenden Brot und Wasser an die Ruhestatt. Es braucht einige Zeit, bis der Mensch Elia wieder zurück ins Leben findet. Es braucht Ermutigung und z.B. solchen Zuspruch: Ich habe Gedanken

des Friedens mit dir, heraus aus dem Leid, hin in die Zukunft mit Hoffnung. Und dann entfaltet sich der Gedanke Gottes, seine Hinwendung zu Elia, in Freundlichkeit und Liebe. Im Königebuch so schön beschrieben und von Luther so kunstvoll übersetzt mit einem „sanften Sausen“. Nicht Erdbeben, Blitz, Donner und Sturm sind die Vehikel von Gottes Friedensgedanken, sondern ein „sanftes Sausen“. Dieses lässt den Menschen Elia aufhorchen und hebt seine Sinne über die eigenen Horizonte in Zuversicht und Hoffnung hinaus.

So manche Menschengeschichte stößt in dieser Zeit an ihre Grenzen. Was für ein Wunder, wenn durch ein „sanftes Sausen“ der Kollege aus seinem Erschöpfungsschlaf wieder zurück ins Leben geweckt wird, behutsam, durch Gottes Gedanken, durch die Fürsorge und Pflege seiner Boten.

Was für ein österliches Glaubenszeugnis, dass Gottes wirkkräftige Gedanken und Worte zum Leben rufen, mit Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass er uns gebe Zukunft und Hoffnung.

So wünsche ich Ihnen eine gesegnete Osterzeit, in der sie getrost und unverzagt die Sinne weiten für das sanfte Sausen der Engel Gottes auch in ihrem Leben. Gott sei mit Ihnen

Ihr Superintendent Martin Kirchner

Kategorien Glaubensimpuls