Veröffentlicht am Mo., 11. Jan. 2021 14:56 Uhr

„Mache dich auf und werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ (Jesaja 60,1)

Was für ein ermutigendes Wort zu Beginn des neuen Jahres, was für ein Gotteswort, das sich seelsorgerlich der Menschen annehmen will, ermutigen, guttun will, der Seele, dem Gemüt, dem Leben. Ja, „... Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker ...“ aber „...über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. ...“ (60,2).

Damals zu Zeiten des Propheten bedrückte Krieg und Verschleppung und soziale Ungerechtigkeit. Heute kommt das Virus dazu, das tausende Menschenleben weltweit jeden Tag fordert und an Heftigkeit nicht nachlassen will.

Mehr oder weniger tapfer und geduldig befolgen wir die Ansagen zur Vorsicht und geben acht auf uns und auf einander. Aber bei allem Optimismus aufgrund der inzwischen existierenden Impfstoffe, nach einem Jahr trübt sich der vertrauensvolle Blick und die Gelassenheit – wenn sie denn jemals da war – wird unruhig.

Deshalb Gottes Seelsorgewort durch die Zeiten hindurch heute an uns:

„Siehe, über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir!“

- Einzigartig! - Meines Wissens kommt solcher Satz nicht noch einmal vor in der Hebräischen Bibel, im Alten Testament... „über dir geht auf der Herr...“. Das ist nicht Zweckzuversicht, die da angeboten wird, wie „immer wieder geht die Sonne auf“. Das kann gelegentlich auch guttun, dieser Gedanke, leiert aber auf Dauer aus, wie die Melodie auf einem Endlosband.

Durch den Propheten hingegen wird eine Zeitenwende angekündigt, in der alles erstaunlich anders sein wird, als gewohnt und immer schon erlitten. Der Herr, Gott selbst, geht über dir auf, seine Epiphanie, sein Erscheinen. Und es wird von einem Licht begleitet sein, hell und klar: dein Licht kommt! Es werden sich aller Völker Menschen versammeln und die Schätze des Lebens zusammentragen wie einst die Königin von Saba zu Salomos Zeiten, Weihrauch und Gold. (60,6)

„Hebe deine Augen auf und sieh umher“ (60,4), Gottes Herrlichkeit, voll sind Himmel und Erde seiner Herrlichkeit, hell und klar und - im wahrsten Sinne des Wortes – herzergreifend: „dein Herz wird erbeben und weit werden.“ (60,5). Geh heraus und siehe und dann geh deine Wege. Trau dich auf den Weg ins zukünftige, ins neue Jahr.

Trau dich, Schritte zu wagen, wie die Hirten zu Bethlehem in der Heiligen Nacht, aus dem Feiertag heraus zurück in den Alltag: Sie kehrten um, erfüllt von der weihnachtlichen Botschaft, dass Gott zur Welt gekommen ist, seine Freundlichkeit und Menschenliebe, in Jesus Christus direkt über und bei ihnen. Sie priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten.

Und die Weisen aus aller Welt schenkten Gold, Weihrauch und Myrrhe dem menschgewordenen Wort Gottes und gingen auf einem anderen Weg zurück (Matthäus 2). Weihnachten, das Wohlgefallen Gottes für die Menschen verändert und lässt andere Wege als die ewig gleichen zu.

Ein wunderbarer Text der Heiligen Schrift in den ersten Tagen des neuen Jahres, diese Vision, wie sich das Miteinander in der Welt entpuppt in fast zärtlichen Gesten, Teil gibt an den Schätzen des Lebens, einem jedem, einer jeden, frei von allem Standesdünkel und Verdienstüberlegungen, schlicht Freude im und am Leben für alle: „Du wirst vor Freude strahlen und dein Herz wird erbeben und weit werden.“

Mache dich auf und trau dich, von der Krippe der Heiligen Nacht herkommend, mit dem lebendigen Wort Gottes das Leben zu wärmen, Gebeugte aufzurichten, Recht und Gerechtigkeit zu lieben und der Würde eines jeden Menschen zu dienen.

So trägst du die Schätze der Weisen in diese Welt und sorgst dafür, dass „Barmherzigkeit“ auch in dieser anstrengenden Zeit nicht nur ein Wort ist, sondern gelebter Gotteswille, wo immer sie geschieht.

„Hebe deine Augen auf und sieh umher: die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!“ Sie will dich vor Freude erstrahlen lassen, dein Herz anrühren, und es weit machen zum Dienst an Gottes Wort, zum Dienst der Barmherzigkeit.

Ein gesegnetes neues Jahr 2021! Gott sei mit Ihnen!

Martin Kirchner

 

Kategorien Gedanken zum Jahresanfang von Superintendent Martin Kirchner