Veröffentlicht am Do., 7. Mai. 2020 14:18 Uhr

Integrationsarbeit in Zeiten von Covid-19:
Über unsere Verantwortung in diesen Zeiten alle Menschen in den Fokus zu nehmen Die Integrationsarbeit der EKBO, der Kirchenkreise und der Gemeinden beschäftigen zurzeit ähnliche Fragen: wie können wir im Rahmen der Covid-19-Pandemie die Sorgen der Menschen wahrnehmen, darauf reagieren, sie integrieren und gleichzeitig die Regeln einhalten, die notwendig für den Schutz aller sind?

Ein wichtiger Grundsatz, den wir als AG Flucht und Integration kurz vor Ostern in dem offenen Brief “Die Covid-19-Pandemie betrifft uns alle und alle Menschen sollten gleich vor dem Virus geschützt werden” (https://www.kirche-berlin-nord... ) veröffentlicht haben, ist, dass Nächstenliebe und Menschenrecht keine Grenzen kennen. Die Pandemie betrifft alle Menschen, egal woher sie stammen, aber wir sind nicht alle gleich geschützt und haben nicht alle Zugang zu sicheren, sauberen Rückzugsorten und Mitteln, um die empfohlenen schützenden Hygieneregeln umzusetzen. Es geht uns alle an, wie Menschen in Lagern für Geflüchtete auf den griechischen Inseln zusammengepfercht und unter schlimmen hygienischen Bedingungen leben müssen. Auch sollten wir die Augen nicht davor schließen wie Wohnungslose, zu denen Geflüchtete in Sammelunterkünften gehören, in Deutschland trotz aller Bemühungen von Verwaltung und Vereinen zu dicht und unter beengten Bedingungen leben. Uns bewegt außerdem wie wir bedürftige Kinder unterstützen können, die seit Wochen nicht richtig begleitet und unterrichtet werden können und somit die Ungleichheit in Bezug auf Bildung noch verstärkt wird.

Wie können Menschen mit Flucht und Migrationshintergrund alle Informationen erhalten, die sie benötigen? Wie können wir einen gemeinsamen Umgang finden mit der Vielzahl an Nachrichten, die an uns herangetragen werden? Das bedeutet auch, dass wir uns viel Zeit für das Erklären und gemeinsame Betrachten von verschiedenen Nachrichten im Internet, in der Zeitung und im Fernsehen nehmen müssen. Dabei ist auch immer der soziale, religiöse und kulturelle Hintergrund der Menschen, die wir begleiten, zu beachten. Bei Menschen aus einigen afrikanischen Ländern ist beispielsweise der sehr sensible Hintergrund der Erfahrung mit dem Ebola-Virus zu berücksichtigen.
Konkret beschäftigt uns zurzeit in unserer Arbeit mit Menschen im Kirchenasyl die Notwendigkeit einer noch intensiveren Begleitungsarbeit als sonst. Unser integrativer Ansatz, dass Menschen, die sich bei uns im Kirchenasyl befinden, Zugang zu Bildung, Beratung und gesellschaftlicher Teilhabe bekommen, ist im Moment sehr schwer umzusetzen. Kinder können nicht beschult werden, Sprachkurse finden nur digital statt, Gottesdienste können erst bald wieder beginnen. Um die Menschen dennoch zu begleiten, müssen wir alle einfach ein wenig improvisieren: wir lesen bekräftigende und spirituelle Texte am Telefon vor, führen viele seelsorgerliche Gespräche, sammeln Lern-und Lehrmaterialien, etc. Des Weiteren ermutigen wir die Menschen dazu, sich neben der häuslichen Isolation auch ab und zu unter Beachtung der Abstands-und Hygieneregeln die positive Wirkung der Bewegung, der Bäume und des Lichtes zu genießen.
Wir entdecken trotz der Herausforderungen auch sehr viel Positives und Solidarisches in den Gemeinden, Kiezen und Dörfern. Eine Frau im Kirchenasyl, die vor langer Zeit als Schneiderin arbeitete, näht jetzt Stoffschutzmasken, die gemeindeübergreifend sehr gefragt sind. So wird aus einer Schutzbedürftigen in Krisenzeiten eine Frau, die zum Schutz vieler Menschen aktiv beiträgt.

Wenden Sie sich bei Fragen gern an mich: L.strehmann@kirche-berlin-nordost.de oder wochentags von 9 bis 17 Uhr unter: 015251687224

Bleiben Sie behütet!

Lisa Strehmann

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