Veröffentlicht von Bettina Berndt am Di., 20. Aug. 2019 11:35 Uhr

Als der chinesische Weise Lao Tse mit ein paar Schülern durch den Wald wanderte, begegneten sie einer Gruppe von Holzfällern. Hunderte von Bäumen hatten sie geschlagen – damit sollte ein großer Palast gebaut werden. 

Nur ein alter, mächtiger Baum blieb einsam in der gerodeten Waldlandschaft stehen. 

Die Schüler wollten wissen, warum dieser nicht gefällt worden sei.

Die Holzfäller antworteten: „Dieser Baum ist nutzlos – er hat zu viele Äste und Knoten. Das ergibt keine guten Balken! Sein Holz ist so alt und dürr, dass es nicht einmal zu Brennholz taugt – es würde zuviel Rauch verursachen. Deshalb haben wir ihn stehengelassen.“

Lao Tse stand daneben und sagte zu seinen Schülern: „Macht es wie dieser Baum: seid nutzlos, absolut nutzlos, dann wird euch niemand etwas antun, dann werdet ihr groß und alt.“

Wie es bei Parabeln oft der Fall ist, wird hier die Situation überzeichnet, um die Aussage auf den Punkt zu bringen: Wer sein Leben allein nach den Kriterien der Nützlichkeit ausrichtet, lebt verkehrt. 

Der Wert eines Menschen besteht nicht allein in dem, was er leistet – es sind gerade auch die „nutzlosen“ Seiten, die seine Schönheit ausmachen: die Herzlichkeit, die Fähigkeit zu träumen, zu spielen, sich zu verschenken.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich dem Zwang der Nützlichkeit entziehen und das Abenteuer der Nutzlosigkeit wagen ohne sich zu fürchten, ab und zu alleine dazustehen!

Ihre

Christine Franke

 Bild von balance-4you auf Pixabay

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