Veröffentlicht von Bettina Berndt am Fr., 11. Okt. 2019 11:02 Uhr

Die weltpolitisch bedeutsame Friedliche Revolution ereignete sich Ende der 1980er Jahre im Herrschaftsbereich der damaligen Sowjetunion, und zwar in allen osteuropäischen Ländern, einschließlich der DDR. Bei positiven weltpolitischen Veränderungen ist das Verlangen verständlich, das eigene Land oder die jeweils eigene Oppositionsbewegung als höchst verdienstvoll darzustellen. Aber vor Allem und über Allem muss zunächst gesagt werden: All diese anerkennenswerten Einzelbemühungen hatten zur Voraussetzung, dass es erstmals nach dem Ende des 2. Weltkrieges die Sowjetunion selbst war, die auf Gewalt verzichtete. Aus dem Land, aus dem der Stalinismus gekommen war, vollzog sich unter Michail Gorbatschow auch das Ende des Stalinismus, nämlich der Verzicht auf die gewaltsame Niederschlagung von politischem Aufbegehren: 1953 in der DDR, 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei. Der Befehl zur Gewalt unterblieb in einer grandiosen, weltpolitisch bedeutsamen Entscheidung, die den Geist der Bergpredigt Jesu atmete. Den politisch Verantwortlichen jener Zeit ist darum zu danken – neben all unserer Dankbarkeit gegenüber Gott, der verborgen mit seinem Geist ganz bestimmt viele dieser Veränderungen zum Guten begleitet und ermöglicht hat.

Und jetzt erst dürfen wir auf die wunderbaren, vielfältigen Formen der Gewaltlosigkeit in den Ländern Osteuropas und auch in der DDR schauen. Was bei aller Vielfalt aber in allen Ländern gleich und geradezu ein Erkennungsmerkmal war, das möchte ich zum Schluss benennen: in allen friedlichen Bewegungen zwischen Tallinn und Budapest, zwischen Prag und Warschau und vielen DDR-Städten wurde überall gesungen und musiziert. Die friedliche Revolution vor 30 Jahren war auch ein ganz großes Musik-Festival.

Werner Krätschell, Superintendent i.R.

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