Veröffentlicht von Bettina Berndt am Mi., 21. Mär. 2018 11:47 Uhr

Weltkonferenz für Mission und Evangelisation vom 8. bis 13. März  2018 
Anfang März versammelten sich ca. 1000 Delegierte von über 300 Kirchen weltweit aus 100 Nationen zur Weltmissionskonferenz in Arusha (Tansania), um unter dem Thema „Vom Geist bewegt-zu verwandelnder Nachfolge berufen“.
Alle 10 Jahre kommt diese Konferenz zusammen, nach der in Achimoto (Ghana)im Jahre 1958 die erste Konferenz wieder in Afrika. Nach 60 Jahren sollte diese Konferenz sich vor dem Hintergrund der afrikanischen Kulturen über den Lauf des Evangeliums weltweit beraten.

Eröffnet wurde die Konferenz durch den Vorsitzenden der tansanianischen Bischofskonferenz der lutherischen Kirchen (der zweitgrößten weltweit!) Bischof Dr. Frederick Shoo. Uns ist Dr. Shoo noch gut in Erinnerung. Hat er doch im vergangenen Jahr die Eröffnungspredigt zum Kirchentag am Brandenburger Tor gehalten.


Die Tage der Konferenz waren gefüllt von authentischen Berichten aus den Kirchen weltweit. Von den Fiji-Inseln wurde über die lebensbedrohlichen Folgen des Klimawandels berichtet; aus Sambia und anderen afrikanischen Staaten hörte man den nachdrücklichen Ruf nach Gendergerechtigkeit: Frauen, die die Hauptlast sozialer Verantwortung trügen, sollten stärker in die Leitungsebene der Kirchen Eingang finden; die heilende Kraft des Evangeliums in sozialer, leiblicher und geistlicher Hinsicht wurde in einem Vortrag aus dem Kongo geschildert.
Der Respekt auch gegenüber Menschen mit Behinderungen wurde angemahnt; eine Bischöfin aus Cambridge gab zu bedenken:“I need the Christ who lives in you like you need the Christ in me“ (Ich brauche den Christus, der in dir lebt genauso, wie du den Christus in mir brauchst); der Direktor der Evangelischen Mission in Deutschland, Christoph Anders rief zu einem besseren Verständnis füreinander auf und erinnert in Aufnahme des Konferenzthemas an Dietrich Bonhoeffer und sein Vorbild für gelebte Nachfolge.
In den nördlichen Ländern dieser Welt sei die Säkularisierung eine besondere Herausforderung; aus Amerika waren eher endzeitlich geprägte Gedanken zu hören: Die Macht der Wirtschaft, die allein den Wohlhabende ein komfortables Leben bringt, stehe gegen die Predigt Jesu, die sich zu allererst an die am Rande der Gesellschaft wendet und ihnen vor allen Gerechtigkeit verschaffen will. „Upside down“, das Oberste nach unten kehren, sei der Ruf des Evangeliums, der Ruf in eine verändernde Nachfolge, so der Moderator der Konferenz, Erzbischof Corillos von der Jakobiner Kirche in Syrien.
6 Tage Vorträge, Diskussion, Bibelarbeiten und Andachten. Dazu unendlich viele Gespräche in den Pausen mit Christen aus der ganzen Welt! Das war ein eindrücklich buntes Bild. 
In Workshops, auf Tansanianisch: Warshas, wurde ernsthaft diskutiert über ein glaubwürdiges Zeugnis des Wortes Gottes in der gegenwärtigen Welt. Wir Europäer haben das Evangelium nach Afrika gebracht, ist es nun Zeit Missionare von dort zu uns zu senden, um uns aus der Gelichgültigkeit gegenüber den Werken der Barmherzigkeit aufzuwecken? Was kann das Amt der Versöhnung, das uns durch den Apostel Paulus aufgetragen ist, bewirken in dieser Zeit der Kriege, des Terrorismus, des Rassismus? Und wird es nicht Zeit, laut die Stimmen zu erheben für die Menschen am Rande, die keine eigene Stimme haben, die gehört wird? So lauteten die Arbeitsthemen, an denen ich mich beteiligt habe – kleinlaut, denn die Situation der „Dalits“, der „Unberührbaren“ im indischen Kastenwesen, unter denen es viele christliche Gemeinden gibt und denen ein menschenwürdiges Dasein verwehrt wird, lassen mich in meinem geschützten Glaubensleben hier bei uns ganz stille und demütig werden.
Eine Verordnung des gegenwärtigen tansanianischen Präsidenten, eines katholischen Christen!, junge Mädchen die schwanger werden von der Schule zu entfernen, machte uns wütend. Wie gut, dass die Evangelische Kirche z.B. für diese jungen Frauen eine extra Schule mit Kinderbetreuung und Mutter-Kind-Unterkünften geschaffen hat, damit diese für ihr Schicksal nicht bestraft werden und ihnen und ihren Kindern nicht die Zukunft verstellt wird. „Angaza“ heißt dieses Projekt, zu deutsch: „Stehe auf und werde Licht“, ein Psalmwort.
„Translation the word and Transformation the world“ ist die griffige Formel mit der sich die christliche Weltgemeinschaft in ihrer Abschlusserklärung zu Wort meldet: Das Wort Gottes getreulich übersetzen und daraus die Welt verändern.
Ach ja, unsere Gastgeber haben uns wunderbar umsorgt, nicht zuletzt mit großartigen Chören vor allem aus Masaigebieten, aus dem Nomadenvolk im Osten Afrikas, das so ausdrucksstark singen und tanzen kann. Zum Abschluss haben uns diese mit einem 100 Stimmen starken Chor mit dem Messias von Händel beschenkt – das war was!


Ich nehme mit: Nur Mut zum glaubwürdigen Zeugnis des Lebendigen Wortes Gottes in dieser Welt.
Das fängt in unseren Gemeinden an, wo wir nicht nur von der verwandelnden Liebe hören sollen, sondern sie auch durch unser Christsein wirken lassen sollen.

Gott sei mit Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, seit mutig im Glauben, seid mutig und seid stark!
Ihr Superintendent Martin Kirchner

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