Veröffentlicht am Sa., 29. Dez. 2018 00:00 Uhr

Gedanken zur Jahreslosung 2019 von Superintendent Martin Kirchner

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34, Vers 15

Ein wenig dauert es schon, bis man den Widerstand gegen die Jahreslosung überwunden hat. Ich beziehe das nicht auf die Suche nach dem Frieden. Die ist schnell und geschmeidig umgesetzt mit romantisierenden Bildern und Malereien auf Postkarten und Postern, alle schön anzuschauen und der Seele Ruhe spendend.
Vielmehr ist es dieser zweite Halbsatz, der sich so spröde dem frommen Gemüt entgegenstellt: „…jage ihm nach!“. Beschleunigung soll sein, allerorts und in jeder Hinsicht in diesem Jahrhundert: Die Kommunikationswege sollen in „Echtzeit“ funktionieren, in Transportmöglichkeiten wird investiert, um Minutenvorteile zu erreichen und Entscheidungen sollen möglichst zeitnah fallen, um voranzukommen. In vielen Zusammenhängen des Alltags kommt der Einzelne schon gar nicht mehr mit, sondern versucht in Schnappatmung Schritt zu halten mit dem angestoßenen Tempo.
Und nun auch noch die Jahreslosung: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34, Vers 15
Doch der Psalmbeter will wohl vielmehr die Verantwortung für das Miteinander in dieser Welt wecken. Der tiefe Wunsch, Gutes zu wirken, aufrichtig und ehrlich zu sein und ein freundliches Miteinander zuzulassen, der soll uns bewegen, wie den Jäger die Sehnsucht nach dem Erfolg seines Mühens.
Dabei steht all dies unter der Ansage: „Ich will euch die Furcht des Herrn lehren.“ (Vers 12). Diese „Furcht des Herrn ist aller Weisheit Anfang“, so wird schon Salomo in den Mund gelegt (Sprüche 9). Doch ist damit nicht die Ängstlichkeit gemeint, die uns mit böser Absicht eingeredet werden soll, als müssten wir von allem schon, was uns nicht schon immer als vertraut begegnet, den persönlichen Untergang erwarten. Die „Furcht des Herrn“ ist vielmehr die Ehrfurcht vor allem Leben, allem Sein. Mit ihr sollen wir voller Leidenschaft das Leben wärmen und allen mit Würde und Respekt begegnen, die jede und jeder Einzelne als geliebtes Kind des barmherzigen Gottes erhalten hat.
Ein leidenschaftliches Vorhaben also, das in aller Rastlosigkeit vielleicht gerade das Innehalten für das Besondere braucht: 
„Suche Frieden und jage ihm nach!“ Psalm 34, Vers 15
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2019!
Gott sei mit Ihnen!
Martin Kirchner, Superintendent

Kategorien Jahreslosung 2019