Veröffentlicht von Bettina Berndt am Mi., 20. Dez. 2017 12:00 Uhr
Martin Kirchner (59) hat sich der Kreissynode zur Wahl einer zweiten Amtszeit als Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Berlin Nor-Ost gestellt und wurde mit überwiegender Mehrheit (87%) am 18. November 2017 gewählt.

In diesem Interview spricht der Superintendent über seine Gefühle vor der Wahl, über die zukünftigen Schwerpunktthemen im Kirchenkreis und über die Herausforderungen im wachsenden Berlin.

Nach fast zehn Jahren als Superintendent im Dienst des Kirchenkreises Berlin Nord-Ost wurden Sie mit überzeugender Mehrheit für eine weitere Amtszeit wiedergewählt. Mit welchen Gefühlen sind Sie in die Wahl gegangen?

Es ist schon sehr aufregend gewesen, sich der Synode als einziger Kandidat zur Wahl zu stellen. Und natürlich habe ich mich im Innern keineswegs nur gefragt, wer mir seine Stimme geben wird und wer nicht. In einer so langen Amtszeit (im Grunde sind es ja bereits 15 Jahre, wenn ich die 4 Jahre als Superintendent im Wedding und die weiteren 2 Jahre zusätzlich für den damaligen Kirchenkreis Pankow hinzunehme) hatte ich in meinem Amt natürlich auch eine ganze Reihe von Entscheidungen zu vermitteln oder selbst zu treffen, die nicht immer auf Jubel bei betroffenen Kirchengemeinden und Personen gestoßen sind. Viel wichtiger aber als Personalfragen waren mir die vorangegangenen Gespräche in der Familie und mit anderen Vertrauten, ob die Lust und Kreativität noch ausreicht, dieses verantwortungsvolle Amt für eine weitere Wahlperiode auszufüllen, oder ob so etwas wie eine Routine eingekehrt ist, die mich nicht mehr die Feinheiten bei der Bearbeitung von Themenfeldern aufmerksam wahrnehmen lässt. Nach einem zu meiner Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur positiven Votum des Pfarrkonventes und des Kreiskirchenrates fühlte ich mich sehr bestätigt und getragen. Dazu aber ist es das ausgesprochen angenehme, freundliche und kollegiale Miteinander mit den Referentinnen und Referenten, mit unserem Team in der Superintendentur, das mich wesentlich zur Bereitschaft bewegt hat. 

Welche Schwerpunktthemen sehen Sie für die kommenden Jahre in unserem Kirchenkreis

Wir haben uns für die nächsten 6 Monate vorgenommen, in allen Konventen und Gremien das Thema "Ehrenamt" nicht nur aufzurufen, sondern auch die grundsätzlichen Fragen und die Rahmenbedingungen konstruktiv und zukunftsorientiert zu bearbeiten. Die "Leitlinien" der Landessynode sind uns dabei ein wichtiger Impuls, das Materialheft vom AKD eine wertvolle Hilfe. Es wird zudem weitergehen in der Diskussion mit den Gemeinden über die Frage einer noch effektiveren Form von Zusammenarbeit miteinander. Das grobe Muster der 9 Regionen im Kirchenkreis muss noch stärker mit Leben erfüllt werden. Eine Satzung für die kreiskirchliche Anstellung gemeindlich Mitarbeitender wird im Frühjahr nach einem Anhörungsprozess der Gemeindekirchenräte beschlussfähig sein. Die gegenwärtig noch entspannte wirtschaftliche Situation des Kirchenkreises wollen wir nutzen, um weitere Investitionen in die Zukunft zu tun. Z.B. im Bildungsbereich: den Ausbau von evangelischen Kita-Plätzen fördern wir mit erheblichen finanziellen Mitteln seit Jahren. Da gibt die Entscheidung der Landessynode mit der Bereitstellung von 4,7 Mill. € in den nächsten Jahren hervorragenden Rückenwind. Auch der geplante Neubau einer weiterführenden evangelischen Schule in Pankow steht auf der Agenda. All dies und noch mehr ist im Prozess, um uns als Kirchengemeinden und Kirchenkreis im Gespräch mit den Menschen zu halten, auch mit denen, die nicht zu unserer Kirche gehören und denen wir Zeugnis geben wollen von der Liebe Gottes.

Besonders im Speckgürtel Berlins werden sehr viele neue Wohnungen gebaut, welche Herausforderungen sehen Sie für den Kirchenkreis, welche Kooperationen bestehen dazu bereits? 

In der Tat werden in den nächsten 10 Jahren in mindestens 4 ausgewiesen Gebieten unseres Kirchenkreises je 5-6000 neue Wohnungen entstehen. Zu den erstaunlichen Feststellungen der letzten Wochen gehörte bei uns diese, dass Kirche bei der sozialen Planung dieser Neubaugebiete bisher überhaupt keine Rolle gespielt hat. Das wollen wir ändern. Nach einem intensiven Gespräch mit der zuständigen Senatsverwaltung und einem maßgeblichen Wohnungsbauunternehmen haben wir ein Forschungsprojekt mit Evangelischer Hochschule und der F.E.S.T. in Heidelberg auf den Weg gebracht, das genau dieses Thema bearbeiten soll.

In einer Arbeitsgruppe im Auftrag des Diakonischen Rates versuchen wir uns einen Überblick darüber zu verschaffen, was es im Kirchenkreis und in den Gemeinden hinsichtlich der Liegenschaften und Immobilien zu entwickeln gibt, möglicherweise gemeinsam, oder nur für die diakonischen Träger.

Es gibt eine Menge zu tun...

Herr Kirchner, Sie kommen viel in unserem Kirchenkreis herum, gibt es einen Ort, einen Park, ein Café, wo Sie sich besonders wohlfühlen?

Über Cafés und ähnliches möchte ich nichts sagen. Wenn wir in der Familie dafür gemeinsam Zeit haben, wissen wir, wo wir gerne hingehen. Nur so viel: der Wedding, wo unser gegenwärtiger Wohnsitz ist, hat da sehr Schönes zu bieten... Oft sind wir im Grünen unterwegs. Dammsmühle in Richtung Mühlenbecker Land gefällt uns sehr, mit dem alten Schloss und dem See mit dem Urwald drum herum. Aber auch der Orankesee zieht uns oft zu einem ausführlichen Spaziergang an. Am meisten Erholung finden wir aber ganz in der Nähe in den Rehbergen. Unglaublich, was für ein schöner Park das ist! Wenn´s dann kulturell sein soll, nutzen wir gern das Angebot in den Gemeinden. Die Entdeckung des Sommers war "Orgel mit Biss" in der Stephanuskirche, ein Format, das uns gefällt: eine halbe Stunde Orgelmusik vom Feinsten, und dann im Anschluss ein liebevoll vorbereitetes Nachtmahl in der Kirche mit entspannten Gesprächen.

 Das Interview führte Bettina Berndt, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im Ev. Kirchenkreis Berlin Nord-Ost

 

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