Veröffentlicht am Mi., 24. Feb. 2016 16:38 Uhr

September 2014

„Mir fehlen die Worte…“
„Mir fehlen die Worte, um unseren Dank auszudrücken für all die Unterstützung, die wir von Ihnen für unsere Handwerksschule in Uraa durch die Jahrzehnte hindurch erhalten haben.“ Mit diesen Worten hat Superintendent Aminirabi Swai immer wieder in Grußworten, Andachten, Predigten während seines neuntägigen Besuches in Berlin Ende August auf die über ein Vierteljahrhundert existierende Partnerschaft zwischen Berliner Kirchengemeinden und Tansanianischen Kirchengemeinden in der lutherischen Kilimanjaro-Diözese geschaut.
Superintendent Martin Kirchner vom Kirchenkreis Berlin Nord-Ost und Superintendent Aminirabi Swai vom Kirchenkreis Hai in der Norddiözese Tansanias an der Mauergedenkstätte in der Bernauer Straße. Foto: M. Kirchner

Auf der Google-Map Karte ist die Bodenplatte des Neubaus zu sehen >>

Hier der aktuelle Flyer der Handwerksschule am Kilimanjaro >> Tanzania Flyer_final.pdf

Aus einer schlichten Nähstube in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts ist inzwischen eine staatlich anerkannte Handwerksschule entstanden, in der in zweijähriger Ausbildung zur Zeit 115 junge Frauen und Männer einen ordentlichen Beruf erlernen. Im letzten halben Jahr ist die Zahl der Schülerinnen und Schüler von 67 auf 115 angewachsen. Kanzelabkündigungen in allen Gemeindegottesdiensten des Kirchenkreises Hai und landesweite Werbung für die Schule im Radio haben Familien dazu ermuntert, ihre Kinder nach Uraa zu schicken, damit sie dort fürs eigenverantwortete Leben lernen. Der im Frühjahr begonnene Bau eines Internats für die Beherbergung der Schüler, z.B. aus Tanga, Arusha oder Daressalam, hat deshalb an Dringlichkeit zugenommen. Mit großem Eifer und fachlich vorbildlicher Leitung durch einen Architekten ist der Bau in den letzten Monaten erfreulich vorangetrieben worden. Das zwei Meter in die Erde reichende Fundament ist gemauert und mit Zement gegossen. Nun kann alsbald der Bau der ersten Etage begonnen werden (zwei Etagen sind geplant, das Fundament darauf ausgerichtet!). 60 Jungen sollen da Unterkunft finden und der „Herbergsvater“. Ausreichend Toiletten und Duschen sind geplant, das Haus wird gut mit Wasser und Elektrizität versorgt werden.

Zur Beratung des Partnerschaftskreises hat Superintendent Swai einen klaren und ausführlichen Bericht sowohl über den laufenden Haushalt der Schule vorgetragen als auch über den Bau und die Verwendung der Spendenmittel aus unseren Gemeinden: 23.000 € von im Februar übergebenen 26.000 € sind bisher verbaut. Hinzu kommen die nicht zu beziffernden Anteile an Eigenleistungen, die die Dorfbewohner unserer Partnergemeinden immer wieder in Freiwilligeneinsätzen an Wochenenden erbringen, z.B. um Erde auszuheben oder Beton anzumischen – alles Handarbeit am Kilimanjaro, nur mit Hacke und Schippe!
Die SchülerInnen und Lehrer der Maurerklasse und der Elektrikerklasse verbringen große Teile ihres praktischen Unterrichtes auf der Baustelle und haben so ebenfalls großen Anteil am Gelingen des Projektes.
Die Gemeinden im Kirchenkreis Hai werden in Kürze eine Sonderkollekte von ihren Gemeindegliedern erbitten, um den Bau des ersten Geschosses abzuschließen und das Internat bereits in Betrieb zu nehmen. Dieses erste Geschoss wird zunächst provisorisch mit einem Wellblechdach auf einem ordentlichen Dachstuhl abgedeckt, für ein paar Jahre ausreichend, bis die Finanzierung der zweiten Etage steht. Alle Anschlüsse sind jetzt schon entsprechend geplant.
Insgesamt sind für die Fertigstellung noch ca. 45 T € aufzubringen. Auch wenn vieles durch weitere Eigenleistungen (übrigens nicht nur der christlichen Bevölkerung!) erbracht werden wird und mit einer großen Sonderkollekte aus den Kirchengemeinden gerechnet wird (man erwartet einen € pro Gemeindeglied in den drei Partnergemeinden in Machame, das wären ca. 6-8.000 €!), bleibt ein Teil, der von uns Partnern in Deutschland aufzubringen ist. 8000.-€ konnten wir im ersten Halbjahr 2014 bei Vorträgen, Festen, durch Kollekten und Einzelspenden sammeln und erneut nach Tansania überweisen. Eine Summe, mit der das Projekt einen weiteren Schritt vorankommt und wir somit dem Ziel, der Fertigstellung des Internatsgebäudes näher sind.
In Tansania erwartet man anders als in den letzten Jahren eine gute Ernte für dieses Jahr, eine wichtige Voraussetzung für die Spenden der dortigen Gemeindeglieder. Sie selber sehen eine weiterhin große Herausforderung in der hohen Zahl von Waisenkindern (Aids ist nach wie vor eine Hauptursache dafür), denen sie über Stipendien aus den Kirchengemeinden die Ausbildung in unserer Schule wenigstens in Einzelfällen ermöglichen wollen. Dafür finden sie immer wieder tansanische Unterstützer – übrigens nicht nur finanziell, sondern auch mit der Bereitschaft, die verwaisten Kinder in die Familie aufzunehmen. Viele Pastorenfamilien gehen da mit gutem Beispiel voran!
Mädchen (zwischen 8 und 10 Jahren) aus dem Bereich der Zuständigkeit von Kirchengemeinden des Kirchenkreises in der Massai-Steppe werden gelegentlich vor einer Zwangsverheiratung (50-60 Jahre alten Männern) bewahrt und in den Gemeinden unseres Projektes aufgenommen. Unsere Partnergemeinden tragen auch dafür Sorge und ermöglichen die spätere Ausbildung in unserer Schule.

Uns fehlen die Worte, unserer Hochachtung und unserer Freude Ausdruck zu geben, mit dem wir hören und sehen dürfen, mit welcher Leidenschaft und Einsatz die Partner in Tansania das Projekt weiterentwickeln, das wir mit unseren Spenden und Gebeten schon so lange unterstützen.

25 Jahre – das ist eine lange Zeit für ein solches Projekt, nach der man feststellen kann, dass es solide und zuverlässig geführt ist durch einen unbestechlichen Vorstand, durch begeisterte Führungspersonen, wie dem verstorbenen Pastor Jose Urasa, Superintendent Looka Mushi (jetzt im Ruhestand) und Superintendent Aminirabi Swai.
Es funktioniert, diese Partnerschaft für das „“Uraa Vocational Trainings Centre“ – Handwerksschule in Uraa und bringt Segen für hunderte von jungen Männern und Frauen dort und ihre Familien.
Allen Unterstützern in Berlin sei herzlich gedankt! Bleiben Sie uns gewogen – auch kleine Spenden helfen und werden 1 zu 1 in Tansania eingesetzt.
Gott sei mit Ihnen!

Martin Kirchner (Superintendent des Kirchenkreises Berlin Nord-Ost)

Kategorien Ausbildungsprojekt am Kilimanjaro