Veröffentlicht am Do., 18. Feb. 2016 20:49 Uhr

Wie wär´das? Am Sonntag im Gottesdienst die Kollekte als wirkliches Dankopfer zum Altar bringen und mal nicht den Klingelbeutel kreisen zu lassen.
Wie wär´ das? Freuden und Belastungen der zurückliegenden Woche mit der Gemeinde zu teilen und vor dem Altar einen ganz persönlichen Segen zu erbitten – für die Bewahrung in der Krankheit, für das übernommene Patenamt, für die Begleitung auf einer Reise… .
Wie wär´das? Predigt und Abkündigungen aufmerksam verfolgen und zu „kommentieren“ mit einem gelegentlichen „Amen!“ oder „Praise

the Lord!“. Es ist schon anders in Tansania am Kilimanjaro Gottesdienst zu feiern. Die Liturgie orientiert sich zwar an der bei uns üblichen, man kann auch nach den vertrauten Melodien alles in Deutsch mitsingen. Viele der Kirchenlieder kennt man – wenn man auch den Text nicht versteht, weil er ja in Kisuaheli dasteht oder sogar in Kichagga, der ursprünglichen Sprache der Menschen hier in der Machameregionam Kilimanjaro, ca. eineinhalb Autostunden östlich der Millionenstadt Arusha bergan gelegen. Aber die Zeit wird nicht lang z.B. wegen der oben angedeuteten Aufmerksam-keiten. Man hat das Gefühl, die stets reichlich versammelte Gemeinde (im normalen Gottesdienst zwischen 400 und 500 Teilnehmer in jeder Kirche!) lebt und durchlebt die Liturgie ganz bewusst, begreift, was gerade angesagt ist und erfährt die gemeinsame Feier als wichtige Hilfe für den Alltag. Pfarrer Mbando von Uraa erzählt uns, wie traurig ein Gemeindeglied war, als ihm die mitgebrachte Münze durch einen Gitterrost fiel und er sie nicht allein herausbekam. Getröstet war er erst, als es mit Hilfe anderer doch gelang, seine Spende zu bergen und er sie in den Gabenkorb einlegen konnte. Ihm war es so wichtig, etwas zu geben.
Pfarrer Mmanga hatte bedrückende Nachrichten von der Hochzeitsgesellschaft am Sonnabend: Zwei Brüder des Bräutigams waren auf dem Weg zur Feier tödlich verunglückt. Es sei dadurch eine traurige Hochzeit gewesen.
Zum Sonntagsgottesdienst in der Gemeinde ist man dann aber doch erschienen und hat sich tragen und trösten lassen von der Fürbitte der Gemeinde.
Pfarrer Siao aus Woongo konnte schon den ganzen Morgen seine Freude kaum verbergen. Worüber? Die Gemeindeältesten schenkten uns, den Gästen, am Nachmittag zum Abschied jedem ein Poloshirt mit einem Bild der Gemeindekirche vorne und auf dem Rücken in großen Buchstaben geschrieben „Gott ist der Retter“. „Damit ihr uns ja nicht vergesst…“ – Wie sollten wir, diese Herzlichkeit allerorts, das Interesse an unseren Geschichten und Berichten, die Verbundenheit durch die Partnerschaft zum Aufbau und Unterhalt des „Uraa Vocational Training Centres“ (U.V.T.C.) seit über einem viertel Jahrhundert!
Drei Wochen waren wir zu sechst in Nordtansania unterwegs, die ehemaligen Hochschullehrer Otto und Christine Roloff, Kriminalhauptkommissar Andreas Jahn, der Computeradministrator Hartwig Greve, der Kirchenmusiker Thomas Lanz und ich, Superintendent Martin Kirchner.
Neben den Begegnungen mit Menschen dort (Wir waren in der Kirche mitten in einem der Dörfer untergebracht!), dem Abenteuer sich in einer völlig von unserer verschiedenen Landschaft in Flora und Fauna zu bewegen und der Neugier an diesem beeindruckenden Land im Osten Afrikas, das seit seiner Unabhängigkeit von den ehemaligen kolonialen Mächten im Jahre 1961 den Frieden im Lande bewahrt (!), war es Ziel unserer Reise, mit den Vorstandsmitgliedern und Lehrern unserer Handwerksschule den Stand des Projektes zu beraten und Verabredungen für seine Weiterführung zu treffen.
120 Schülerinnen und Schüler sind es zurzeit, die in vier Berufsrichtungen ausgebildet werden: Tischler, Schneider, Maurer und Elektriker. Dazu gibt es die Ausbildung in der Handhabung von Computern(ca. 20, durch Häftlinge der Berliner JVA rundumerneuerte PC haben wir mit Hilfe des Berliner Missionswerkes dorthin geschickt). Nach zwei Jahren steht nach bestandener Prüfung der staatlich anerkannte Abschluss. 20 junge Männer und Frauen waren es in diesem Jahr, denen wir als Ehrengäste bei der Examensfeier die Urkunden überreichen durften. Gut die Hälfte haben reelle Chancen, mit ihrem erlernten Beruf sich selbst und eine Familie zu unterhalten. 40 weitere Schüler sollen geworben werden, die Klassen-und Werkräume geben genug Raum dafür her. Nicht aber die zur Verfügung stehenden Unterkünfte. So bauen wir seit zwei Jahren an einem zweistöckigen Internatsgebäude, das am Ende 80 Schülerinnen und Schülern als Herberge dienen soll für die Dauer ihrer Schulzeit. 30 Tausend Euro haben wir dafür aus den Spenden in den Berliner Gemeinden übergeben, ungefähr die gleiche Summe war bereits vor zwei Jahren eingebracht worden, um ein stabiles, übermannshohes Fundament in den Hang des Kilimanjaro zu legen, den sicheren Grund für die zwei folgenden Stockwerke. Hinzu kommen reichlich Freiwilligenarbeit von Gemeindegliedern der Gemeinden vor Ort und sinnvoll eingebundene Praktikumsarbeiten unserer Auszubildenden (die Elektriker haben die ganze Verkabelung vorbereitet, die Maurer die engagierten Profis unterstützt und nun werden Fenster- und Türrahmen von den Tischlern gefertigt), die die investierte Summe nahezu verdoppeln. Noch in diesem Jahr soll das erste Stockwerk bezugsfertig sein – großartig! Ein weiterer bedeutender Fortschritt in der Geschichte der Schule!
„Ihr sprecht nicht nur Worte, die Wünsche ausdrücken, sondern ihr macht euch auch sogleich daran, sie in die Tat umzusetzen.“ So formulierte Superintendent AminirabiSwai zum Abschied den Dank im Namen aller Gemeinden an uns und schloss die Bitte an, dass wir in der Förderung des U.V.T.C. auch weiterhin treu an der Seite der Tansanianischen Gemeinden stehen mögen. Wir haben den Dank gern stellvertretend für all die vielen Spender entgegengenommen. Ohne diese wäre das gute Werk für junge Menschen in einem der ärmsten Länder der Welt nicht möglich. Voller Vertrauen darauf, dass wir auch weiterhin diese Unterstützung einsammeln dürfen, haben wir unsere Treue dem Projekt, den Schwestern und Brüdern in den lutherischen Gemeinden am Kilimanjaro zugesagt, denen wir nicht nur etwas von unserem Reichtum bringen, sondern von denen wir auch reichlich empfangen und einiges lernen können.
Wie wär‘ das? Uns von der Glaubenszuversicht der Christen in Ostafrika anregen zu lassen, zum eigenen Wohle, zum Wohle anderer und zur Ehre Gottes? – es wäre … spannend.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Superintendent Martin Kirchner

Kategorien Ausbildungsprojekt am Kilimanjaro